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Themenwoche “Wirtschaft und Arbeit”

von Mathias Richel am

Nachdem wir in der letzten Woche mit dem Schwerpunkt “Europa” unsere Themenwochen gestartet haben, machen wir in dieser Woche weiter machen mit “Wirtschaft und Arbeit”. Dazu sind zwei Impulsbeiträge geplant, die euch bei euren eigenen Überlegungen unterstützen sollen. Den Anfang macht heute Valentina Kerst zum Thema “Wirtschaft” und zum Ende der Woche Björn Böhning zum Thema “Arbeit”. Viel Spaß dabei und wir freuen uns auf eure Ideen und Erwartungen.

Eure Ideen und Erwartungen zu den Themen hier eintragen:
Wirtschaft und Arbeit“.

Valentina Kerst:
Wirtschaft sozialdemokratisch gestalten

Valentina Kerst ist Geschäftsführerin der strategischen Internetberatung topiclodge. Darüber hinaus ist sie Mitglied des Unterbezirksvorstandes der KölnSPD, Mitglied des Gesprächskreises Netzpolitik des SPD-Parteivorstandes und Sprecherin des Forum Netzpolitik der KölnSPD.

Die Finanzkrisen der letzten Jahre haben es gezeigt: Wirtschaft um jeden Preis ist keine Lösung. Viel schlimmer als die monetären Verluste auf den Weltmärkten ist der Vertrauensverlust der Bürger in die Wirtschaft.

Anfang des Jahres hat in Berlin die Enquete-Kommission „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“ ihre Arbeit aufgenommen. Unabhängig von dem in der Presse viel zitierten „Wohlstands- bzw. Fortschrittsindikators“ hat sie laut Einberufungsbeschluss (PDF-Download) u.a. die Aufgabe, den Stellenwert von Wachstum in Wirtschaft und Gesellschaft zu untersuchen sowie die Arbeitswelt, das Konsumverhalten und die Lebensstile zu analysieren und ggf. Handlungsempfehlungen zu entwickeln. Ich halte die Einberufung solch einer Enquete für wichtig und sinnvoll, auch wenn ich weiterhin kritisiere, dass nur eine Frau (die auch nur aufgrund der großen Kritik nachträglich zur Sachverständigen berufen wurde) unter den 17 Sachverständigen ist.

Wir müssen uns alle gemeinsam die Frage stellen, wie wir in Zukunft leben wollen? Wo sind die Jobs der Zukunft? Welche Industrien werden in den kommenden Jahrzehnten der treibende Motor sein? Bereits heute sehen wir, dass die Industrialisierung überholt ist und wir in einer Wissensgesellschaft angekommen sind. Die tägliche Arbeit verändert sich dabei immer mehr und das kann neue Chancen bringen. Das wir heute viel mehr Technologie verwenden, kann sich z.B. positiv auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf auswirken. Doch wo sind die kreativen Lösungen? Bisher bleiben sie eher aus. Generell ist zu beobachten, dass Deutschland in den letzten Jahren kaum auf neue wirtschaftliche Chancen gesetzt hat. Bleiben weiterhin der Export und die Automobilindustrie im Fokus, droht Deutschland mehr und mehr den Anschluss an neue Industrieentwicklungen (Internet, Energie etc.) verlieren. Wir dürfen das Alte nicht vergessen, müssen aber auch sehen, dass sich die Welt weiterbewegt und das muss sich auch in der Wirtschaftspolitik wiederspiegeln. „Investitionen in die Zukunft“ ist hier das Schlagwort.

Dabei spielt auch nachhaltiges Wirtschaften eine primäre Rolle. Die Energiewende ist dabei ein gutes Beispiel. Aber wir müssen auch darauf achten, dass wir Unternehmen haben, die nicht nur auf Quartalszahlen achten, sondern das Unternehmen als Ganzes und langfristig im Auge haben. Wenn kurzfristige Unternehmensziele volkswirtschaftlich schädlich aber aufgrund aktueller Wirtschaftsstrukturen erforderlich sind, muss an den Strukturen gearbeitet werden.
Das die Staatschefs in den letzten Tagen in Brüssel um den Euro kämpfen ist dabei ein Teil. Wir müssen als Sozialdemokraten auch darauf achten, welche weiteren Bestandteile für eine starke Wirtschaft wichtig sind:

  • Unternehmer, die ihre Mitarbeiter nicht als „Human Ressources“ sehen, sondern mit ihren gemeinsam ein erfolgreiches Unternehmen führen
  • Schuldbildung, die bereits das Thema Wirtschaft in den Unterricht integriert, um Zusammenhänge zu verstehen
  • Warum nicht ein „Soziales Jahr für Unternehmensgründer“, die lernen können, wie Unternehmen funktionieren und langfristig innovative Unternehmen gründen und neue Arbeitsplätze schaffen
  • Wirtschaft und Wissenschaft stärker miteinander vernetzen
  • Wirtschaftsförderung neu denken. Das Gießkannen-Prinzip oder die Förderung von alten Industrien, die keine langfristige Perspektive haben, sollten gekürzt bzw. gestrichen werden
  • der Sicherheitsvorteil abhängiger Arbeitsverhältnisse muss auf unabhängige Beschäftigungsverhältnisse ausgedehnt werden

Nachhaltiges und qualitatives Wachstum kommt der gesamten Volkswirtschaft zu Gute und kann uns vor weiteren Krisen schützen.

Eure Ideen und Erwartungen zu den Themen hier eintragen:
Wirtschaft und Arbeit“.

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